SRSR: “Der Flo wollte wohl nur seinem unmittelbaren Ärger Luft machen und hat das ausgesprochen, was wohl jeder von uns irgendwann mal gedacht hat. Eigentlich scheint das Problem des “wagnerischen” (Ethik Gymn. Sandhausen) bzw. “chinesischen” Nachplapper-Unterrichts klar: selbstständiges Denken wird nicht gefördert und die Fähigkeit nicht gelernt, eigenständig neue, komplexe Probleme zu lösen. Doch das Problem reicht viel, viel tiefer, als man gemeinhin annehmen könnte. Die moderne Psychologie und Neurophysiologie des 21. Jahrhunderts gehen mittlerweile einen Schritt weiter: Schule (bzw. alle ähnlichen Unterrichtsformen) sind völlig ineffizient.
Was der ein oder andere, der sich in den klassischen Ausbildungsformen nie so wohl gefühlt hat, schon immer geahnt hat, wird nun auch von den Grössen auf dem Gebiet der Lerntheorie, wie etwa Roger Schank, Jamshed Bharucha und Mihalyi Csikszentmihalyi vertreten.
Das bedeutet konkret, dass nicht nur der “chinesische” Unterricht* unbrauchbar ist, sondern dass auch solche frontalen und formalen Unterrichtsformen, die sich dynamischer und “moderner” geben wollen, gegenüber völlig anderen, freien “Methoden” unbrauchbar sind. Wer mich kennt, denkt vielleicht, dass mir “klassische” Unterrichtsformen scheinbar liegen. Das stimmt aber überhaupt nicht. Auch für mich gilt, dass der Großteil der Schule und auch ein Teil des Studiums aus meiner Sicht ziemlich für die Katz oder zumindest völlig ineffizient waren. Selbst jetzt, wo ich für mein letztes Vertiefungsfach lerne, welches mündlich doch schon recht auf Verständnis geprüft wird, gilt: statisch aufgenommenes Hintergrundwissen kann mit dynamisch aufgenommenem, spezifischen Methodenwissen nicht mithalten.
Oder um es einfach zu formulieren: Spielen ist Lernen. Nicht mehr und nicht weniger. Die Natur hat das Spielen genau zu diesem Zweck entwickelt und die “künstlichen” Methoden der menschlichen Kultur sind dem Spielen immer noch weit unterlegen. Sandburgen oder Staudämme an Bächen zu bauen, hat mich um ein vielfaches besser auf den Beruf (Roboter zu entwickeln) vorbereitet, als Designmethoden für Computersysteme vom Papier zu lernen. Mit Sprachen ist es nicht viel anders: Sprachen lernt man nicht vernünftig durch das Auswendiglernen von Vokabeln und Vokabeltest, sondern du den täglichen Kontakt mit Texten im Web und regelmäßiger Anwendung gegenüber Fremden oder in der Fremde. Motivation ist beim Lernen ALLES. Das Hirn funktioniert eben so. Dazu kommt noch, dass unabhängig von der Motivation, grob betrachtet beim Zuhören 10%, beim Lesen 30% und beim Anwenden 90% des zu Lernenden hängenbleiben. Mal ganz davon abgesehen, dass Spielen nicht nur statisches Wissen, sondern noch problemspezifische Intuition und mittelbarere Methodik vermittelt.
Eigentlich sollte jeder, der 15 oder 20 Jahre durch die aktuellen “Lehr”institutionen getingelt ist, dies bereits intuitiv erkannt haben und die moderne Wissenschaft unterstützt diese Sicht sehr stark. Die Frage, die uns bleibt: wann reformieren die trägen Gesellschaften endlich die kritischste und wichtigste Institution aus ihrer Mitte?
Solange gilt: Man muss die Lehrinstitutionen zum Sammeln der “Plaketten” durchlaufen, so wie man auch aufs Klo gehen muss, um zu kacken und das wahre Lernen durch Spielen auf dem jeweiligen Niveau erreichen. Das kann die Programmierung einer Robotersteuerung, der Entwurf eines tollen Logos, der Bau einer Sandburg oder eines Maiwagens sein.
Denn lebenslanges Spielen bedeutet lebenslanges Lernen und das ist lebenslange Selbstentwicklung.”
*Anmerkung von damndirty: Gemeint ist: Unterricht, wie er in China gehandhabt wird, nicht mein Chinesischunterricht am OAI! ;)